Selbstbehalt Krankenkasse Schweiz: So funktionieren die 10 % wirklich (2026)

Selbstbehalt — der Teil der Krankenkasse, den fast niemand richtig versteht
Die meisten kennen die Franchise. Vom Selbstbehalt hingegen wissen viele nur: «Da gibt's noch was mit 10 %.» Dabei entscheidet genau dieser Posten darüber, wie viel du in einem schlechten Gesundheitsjahr wirklich aus eigener Tasche bezahlst.
Dieser Guide erklärt dir den Selbstbehalt im Schweizer KVG ohne Versicherungs-Jargon — mit den offiziellen Zahlen für 2026 [1], konkreten Beispielen und einer ehrlichen Rechnung, wie hoch deine maximale Eigenbelastung pro Jahr ausfällt. Wer parallel sehen will, was seine Kasse 2026 kostet: Der primakasse-Prämienrechner zeigt dir das in 30 Sekunden.
Selbstbehalt in einem Satz
Der Selbstbehalt sind 10 % der Behandlungskosten, die du zusätzlich zur Franchise selbst trägst — gedeckelt bei CHF 700 pro Jahr (Erwachsene) bzw. CHF 350 (Kinder unter 19).
Das war's. Mehr ist es nicht. Was die Sache komplizierter wirken lässt, ist das Zusammenspiel mit der Franchise — und genau dort entstehen die meisten Missverständnisse.
Franchise und Selbstbehalt: Wer kommt zuerst?
Stell dir deine Gesundheitskosten 2026 wie eine Treppe vor. Du steigst immer von unten ein:
- Stufe 1 — Franchise: Die ersten CHF 300 bis CHF 2'500 (je nach Wahl) zahlst du zu 100 % selbst.
- Stufe 2 — Selbstbehalt: Alles, was über der Franchise liegt, teilst du mit der Kasse: Du zahlst 10 %, die Kasse 90 %.
- Stufe 3 — Obergrenze: Sobald dein Selbstbehalt-Anteil CHF 700 (Erwachsene) bzw. CHF 350 (Kinder) erreicht hat, übernimmt die Kasse alle weiteren Kosten zu 100 %.
Beispiel — Franchise CHF 300, du hast 2026 eine Arztrechnung von CHF 4'000:
| Stufe | Betrag | Wer zahlt? |
|---|---|---|
| Franchise | CHF 300 | du (100 %) |
| 10 % Selbstbehalt auf CHF 3'700 | CHF 370 | du (10 %) |
| Rest | CHF 3'330 | Kasse (90 %) |
| Deine Belastung total | CHF 670 | — |
Der CHF 700-Deckel greift in diesem Beispiel nicht, weil dein Selbstbehalt-Anteil (CHF 370) noch unter der Obergrenze bleibt. Erst ab Behandlungskosten von rund CHF 7'300 im Jahr ist deine Eigenbelastung mit Standardfranchise CHF 300 fix bei CHF 1'000 — egal wie hoch die Rechnung steigt.
Die maximale Eigenbelastung pro Jahr — die Zahl, die wirklich zählt
Das ist die einzige Zahl, die du im Worst Case wissen musst:
| Franchise | + Maximaler Selbstbehalt | = Max. Eigenbelastung/Jahr |
|---|---|---|
| CHF 300 | CHF 700 | CHF 1'000 |
| CHF 500 | CHF 700 | CHF 1'200 |
| CHF 1'000 | CHF 700 | CHF 1'700 |
| CHF 1'500 | CHF 700 | CHF 2'200 |
| CHF 2'000 | CHF 700 | CHF 2'700 |
| CHF 2'500 | CHF 700 | CHF 3'200 |
Wer hospitalisiert wird, zahlt zusätzlich CHF 15 pro Spitaltag (Tagespauschale für Verpflegungs-Anteil) — diese Position ist nicht in den CHF 700 enthalten [2]. Bei einer 10-tägigen Spitalbehandlung kommen also nochmals CHF 150 obendrauf.
Realitätscheck: Das ist die theoretische Obergrenze pro Jahr. Zusatzversicherungen (z. B. Privat-/Halbprivatabteilung) haben separate Selbstbehalte, die hier nicht mitgezählt sind. Dieser Guide bezieht sich ausschliesslich auf die obligatorische Grundversicherung gemäss KVG.
Selbstbehalt für Kinder: Der oft vergessene Vorteil
Kinder unter 19 zahlen maximal CHF 350 Selbstbehalt pro Jahr — die Hälfte des Erwachsenen-Deckels. Kombiniert mit der wählbaren Kinderfranchise (CHF 0 bis 600) liegt die maximale Eigenbelastung für ein Kind je nach Wahl zwischen CHF 350 und CHF 950 pro Jahr.
Familien-Cap: Für Kinder derselben Familie ist der Selbstbehalt insgesamt auf CHF 1'000 pro Familie begrenzt — unabhängig davon, wie viele Kinder du hast. Wer drei oder mehr Kinder hat, profitiert hier deutlich. Welche Franchise für Kinder Sinn macht, haben wir im Detail im Franchise-Guide durchgerechnet.
Wann kein Selbstbehalt anfällt
Es gibt drei wichtige Ausnahmen, bei denen die Kasse ohne Abzug von Franchise oder Selbstbehalt zahlt:
- Mutterschaftsleistungen — sieben Kontrolluntersuchungen während der Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett bis sieben Tage nach der Geburt sowie Stillberatung. Geregelt in Art. 64 Abs. 7 KVG.
- Bestimmte Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere und für Säuglinge (Mütter- und Väterberatung, Kontrollen nach KLV-Liste).
- Familienplanung — gewisse Beratungen rund um Schwangerschaft und Verhütung, in den vom Bund definierten Grenzen.
Aufpassen: Die Selbstbehalt-Befreiung gilt nur für die eigentliche Mutterschaftsleistung. Eine Erkältung während der Schwangerschaft oder eine Komplikation nach dem siebten Tag werden wieder ganz normal mit Franchise und Selbstbehalt abgerechnet. Wer ein Baby plant, ist mit der tiefsten Franchise (CHF 300) trotzdem fast immer besser dran.
Selbstbehalt auf Medikamente — die 20 %-Regel
Hier gibt es eine Spezialregel, die viele übersehen: Wenn du ein Original-Medikament wählst, obwohl ein günstigeres Generikum verfügbar ist, beträgt der Selbstbehalt nicht 10 %, sondern 20 % [3]. Die zusätzlichen 10 % sollen die Verwendung von Generika fördern.
Die Mehrkosten sind im Selbstbehalt-Deckel von CHF 700 ebenfalls enthalten — aber wer regelmässig Medikamente bezieht, sollte mit der Ärztin oder dem Apotheker explizit prüfen, ob ein Generikum verfügbar ist. Über das Jahr summieren sich die 10 % zusätzlich schnell auf 100 bis 300 Franken.
Selbstbehalt und Wahlmodelle: Hausarzt, Telmed, HMO
Die alternativen Versicherungsmodelle (Hausarzt, Telmed, HMO, Apotheken-Modell) senken vor allem deine Prämie — der Selbstbehalt selbst bleibt aber gleich bei 10 % / CHF 700. Was sich ändert: Du musst zuerst über den definierten Erstkontakt (Hausarzt, Telmed-Service, HMO-Praxis) gehen. Wer das nicht tut, riskiert, dass die Kasse die ganze Rechnung ablehnt — also nicht «nur» den Selbstbehalt erhöht, sondern gar nicht zahlt.
Mehr zu Modellen und Sparhebeln steht im Guide Krankenkasse wechseln und sparen. Wer wissen will, welche Kasse 2026 das beste Modell zum besten Preis bietet: Beste Krankenkasse Schweiz 2026.
Was beim Kassenwechsel mit dem Selbstbehalt passiert
Genau wie die Franchise wird auch der Selbstbehalt-Zähler beim Wechsel der Krankenkasse auf null zurückgesetzt. Konkret: Wenn du im November bei deiner alten Kasse bereits CHF 500 Selbstbehalt bezahlt hast und per 1. Januar zur neuen Kasse wechselst, beginnst du dort wieder bei CHF 0.
In den meisten Jahren spielt das keine Rolle — der Wechsel findet auf den Jahreswechsel statt, an dem ohnehin alles neu beginnt. Heikel wird es nur bei einem unterjährigen Wechsel (z. B. weil du in einen anderen Kanton ziehst und dies zum Anlass nimmst): Hier kannst du im selben Kalenderjahr zweimal in den Selbstbehalt laufen. Unser Wechsel-Assistent hilft dir, die richtigen Fristen und Briefe einzuhalten.
Häufige Missverständnisse
«Mit höherer Franchise spare ich auch beim Selbstbehalt.» Nein. Der Selbstbehalt-Prozentsatz und -Deckel sind unabhängig von der Franchise. Du verschiebst nur den Einstiegspunkt, an dem die 10 %-Logik beginnt.
«Die Spital-Tagespauschale ist im Selbstbehalt enthalten.» Falsch. Die CHF 15 pro Spitaltag sind ein zusätzlicher Pauschalbeitrag — er zählt nicht zum CHF 700-Deckel.
«Wenn ich ins Spital muss, übernimmt die Kasse ja sowieso fast alles.» Bei Standardfranchise stimmt das im Worst Case (über CHF 7'300 Behandlungskosten greift die CHF 1'000-Obergrenze). Mit Franchise CHF 2'500 dauert es deutlich länger, bis du die Obergrenze von CHF 3'200 erreichst — und in der Zwischenzeit fliesst jeder zehnte Franken von dir.
Fazit: Den Selbstbehalt strategisch mitdenken
Der Selbstbehalt ist nicht wählbar — aber das Bewusstsein dafür ist trotzdem nützlich. Es hilft dir, drei Dinge ehrlich zu beurteilen:
- Wie sieht meine Worst-Case-Rechnung 2026 wirklich aus? (Prämie × 12 + maximale Eigenbelastung)
- Lohnt sich die hohe Franchise wirklich? (Die CHF 700 Selbstbehalt-Deckel sind in der Break-even-Formel bereits eingepreist.)
- Habe ich die finanzielle Reserve, um im schlechten Jahr CHF 3'200 zu schultern?
Wer diese Fragen beantworten kann, trifft die Franchise-Wahl mit offenen Augen — nicht aus Bauchgefühl. Und das ist genau der Punkt, an dem aus «irgendeine Krankenkasse» wieder deine Krankenkasse wird.
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Quellen
- Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG), Art. 64: Kostenbeteiligung — Franchise, Selbstbehalt und Beitrag an Spitalkosten. Stand 2026.
- Verordnung über die Krankenversicherung (KVV), Art. 104: Beitrag an die Kosten des Spitalaufenthalts (Tagespauschale CHF 15).
- KVV, Art. 38a: Erhöhter Selbstbehalt bei Originalpräparaten mit verfügbarem Generikum.
Häufige Fragen
Was ist der Selbstbehalt bei der Krankenkasse einfach erklärt?
Der Selbstbehalt sind die 10 % der Behandlungskosten, die du *zusätzlich* zur Franchise selbst trägst — gedeckelt bei CHF 700 pro Jahr für Erwachsene und CHF 350 für Kinder. Er greift erst, wenn deine Franchise bereits aufgebraucht ist.
Was ist der Unterschied zwischen Franchise und Selbstbehalt?
Die Franchise (CHF 300 bis 2'500) zahlst du zuerst und zu 100 % selbst. Erst danach übernimmt die Krankenkasse 90 % der weiteren Kosten — die restlichen 10 % sind der Selbstbehalt, maximal CHF 700 pro Jahr. Beides zusammen ist deine maximale Eigenbelastung.
Wann wird der Selbstbehalt abgezogen?
Sobald die Franchise im laufenden Kalenderjahr vollständig aufgebraucht ist. Ab dem ersten Franken über der Franchise gilt der Selbstbehalt von 10 %, bis die Obergrenze von CHF 700 (Erwachsene) bzw. CHF 350 (Kinder) erreicht ist.
Wie hoch ist die maximale Eigenbelastung pro Jahr?
Mit Standardfranchise CHF 300 beträgt sie maximal CHF 1'000 (300 + 700). Mit höchster Franchise CHF 2'500 sind es maximal CHF 3'200 pro Jahr — zusätzlich zur monatlichen Prämie. Spital-Tagespauschale (CHF 15/Tag) kommt bei stationärem Aufenthalt obendrauf.
Gibt es Behandlungen ohne Selbstbehalt?
Ja. Leistungen bei Mutterschaft (Schwangerschaftskontrollen ab der 13. Woche, Geburt, sieben Tage Wochenbett) sind seit 2014 vollständig franchise- und selbstbehaltfrei. Auch bestimmte Vorsorgeuntersuchungen sind reduziert kostenpflichtig — Details regelt die KLV.
Kann ich den Selbstbehalt selbst wählen?
Nein. Der Selbstbehalt-Prozentsatz (10 %) und die Obergrenze (CHF 700 / CHF 350) sind im KVG fix geregelt. Wählbar ist nur die Franchise — und damit indirekt, wie schnell der Selbstbehalt überhaupt zum Tragen kommt.
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