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Franchise bei der Krankenkasse: Welche lohnt sich 2026 wirklich?

·8 Min.
Versicherungskarte, Schweizer Franken-Noten und ein Notizblock mit den Zahlen 300 und 2'500 — Symbolbild für die Wahl der Krankenkassen-Franchise

Warum die Franchise der unterschätzteste Spar-Hebel ist

Die meisten Schweizerinnen und Schweizer wählen ihre Franchise einmal — und vergessen sie dann jahrelang. Das ist teuer. Wer mit CHF 300 versichert ist, obwohl er kerngesund ist, verschenkt schnell CHF 600 bis CHF 1'000 pro Jahr. Wer umgekehrt mit CHF 2'500 unterwegs ist und dann eine längere Behandlung braucht, zahlt am Ende mehr drauf, als er an Prämie gespart hat.

Dieser Guide räumt mit den Mythen auf und zeigt dir mit klaren Zahlen, welche Franchise zu welchem Lebensumstand passt — basierend auf dem KVG und den offiziellen BAG-Prämien 2026 [1]. Wenn du direkt rechnen willst: der primakasse-Prämienrechner zeigt dir die Break-even-Linie für dein Profil in 30 Sekunden.

Franchise einfach erklärt

Die Franchise ist der jährliche Selbstbehalt, den du komplett selbst trägst, bevor die Krankenkasse überhaupt etwas zahlt. Das KVG erlaubt sechs Stufen für Erwachsene:

FranchiseTypische Prämien-Reduktion ggü. CHF 300
CHF 300 (Standard)0 %
CHF 500ca. CHF 140/Jahr weniger
CHF 1'000ca. CHF 490/Jahr weniger
CHF 1'500ca. CHF 840/Jahr weniger
CHF 2'000ca. CHF 1'190/Jahr weniger
CHF 2'500ca. CHF 1'540/Jahr weniger

Die genauen Beträge unterscheiden sich pro Kasse, Kanton und Alter — aber die Logik ist überall gleich: du wettest gegen deine eigene Gesundheit. Wenn du wenig zum Arzt gehst, gewinnst du. Wenn du oft hin musst, verlierst du.

Wichtig: Über der Franchise kommt noch der Selbstbehalt dazu — 10 % der Kosten, gedeckelt bei CHF 700 pro Jahr (Erwachsene) bzw. CHF 350 (Kinder) [2]. Deine maximale Eigenbelastung beträgt damit CHF 1'000 (bei Franchise 300) bis CHF 3'200 (bei Franchise 2'500) pro Jahr.

Die Break-even-Rechnung in 60 Sekunden

Hier die einzige Formel, die du wirklich brauchst:

Break-even = Prämienersparnis pro Jahr ÷ 0,9

Beispiel: Du sparst mit Franchise CHF 2'500 rund CHF 1'540 Prämie pro Jahr gegenüber CHF 300. Geteilt durch 0,9 (weil 10 % Selbstbehalt) ergibt das CHF 1'711. Genau ab diesem Betrag an jährlichen Gesundheitskosten kippt die Rechnung — darunter sparst du, darüber zahlst du drauf.

Konkrete Szenarien

Szenario A: 28-jährig, gesund, ein Arztbesuch pro Jahr (~CHF 250)

  • Mit CHF 300: Du zahlst CHF 250 selbst + reguläre Prämie.
  • Mit CHF 2'500: Du zahlst CHF 250 selbst und sparst CHF 1'540 Prämie. Ersparnis: CHF 1'540.

Szenario B: 45-jährig, Bluthochdruck, regelmässige Kontrollen (~CHF 2'200/Jahr)

  • Mit CHF 300: Du zahlst CHF 300 Franchise + 10 % von CHF 1'900 = CHF 490 total.
  • Mit CHF 2'500: Du zahlst CHF 2'200 vollständig selbst — die Kasse leistet nichts. Drauf: CHF 1'710 ggü. tiefer Franchise, abzüglich CHF 1'540 Prämienersparnis = CHF 170 Verlust.

Szenario C: Schwangerschaft geplant (~CHF 4'500 Gesundheitskosten)

  • Hier ist CHF 300 fast immer besser. Mutterschaftsleistungen sind zwar franchisefrei (das ist gesetzlich geregelt), aber alle Kontrollen vor der Schwangerschaft und Komplikationen nach der Geburt belasten dein Konto normal.

Im primakasse-Rechner siehst du diese Rechnung live für dein konkretes Profil — inklusive der Kasse, die in deiner PLZ am günstigsten ist. Direkt zum Vergleich.

Wann CHF 300 fast immer die richtige Wahl ist

  • Chronische Erkrankungen: Diabetes, MS, Asthma, Bluthochdruck mit Medikamenten
  • Schwangerschaft oder Kinderwunsch (Vorbereitung, Kontrollen, Komplikationen)
  • Regelmässige Therapien: Physio, Psychotherapie, Logopädie
  • Über 60 Jahre alt — die Wahrscheinlichkeit grösserer Eingriffe steigt deutlich
  • Dauermedikamente (auch unscheinbare wie Cholesterinsenker)

Faustregel: Wenn du im laufenden Jahr schon weisst, dass du über CHF 1'700 ausgibst, ist CHF 300 mathematisch besser.

Wann CHF 2'500 sich lohnt

  • Junge Erwachsene 19–30 ohne Vorerkrankungen
  • Du gehst seit Jahren nicht zum Arzt (auch nicht für Vorsorge)
  • Du hast eine Notgroschen-Reserve von mindestens CHF 3'000 für den Worst Case
  • Du bist bereit, die Rechnung psychisch zu tragen — viele unterschätzen, wie sehr es nervt, jeden Arzttermin durchzurechnen

Tipp: Lege die monatliche Prämien-Ersparnis automatisch auf ein separates Sparkonto. So hast du das Geld parat, falls doch etwas passiert.

Die zwei Zwischenstufen: CHF 1'000 und CHF 1'500

Werden in der Praxis selten empfohlen — meistens lohnt sich der Sprung auf 2'500 oder das Bleiben bei 300. CHF 1'500 kann aber Sinn machen, wenn du erst dieses Jahr eine Therapie abgeschlossen hast und nächstes Jahr wieder gesund sein willst, aber noch Restrisiko bleibt. Es ist die "Vorsichtsmittel"-Wahl — selten optimal, aber nie ganz falsch.

Franchise für Kinder: Die meistübersehene Spar-Möglichkeit

Kinder unter 19 zahlen ohnehin viel weniger Prämie und können zwischen CHF 0 und CHF 600 wählen. Viele Eltern lassen automatisch CHF 0 stehen — das ist nur dann optimal, wenn das Kind regelmässig zum Arzt geht. Bei einem gesunden Schulkind spart CHF 600 jährlich rund CHF 150 pro Jahr, ohne dass die Familie ein realistisches Risiko trägt (Unfälle sind unfallversichert, sofern die Eltern berufstätig sind).

Achtung Unfall: Erwerbstätige sind über den Arbeitgeber UVG-versichert — die Krankenkasse zahlt dann keine Unfallkosten. Kinder und Nicht-Erwerbstätige müssen den Unfall-Einschluss in der KVG-Grundversicherung haben (Aufpreis ~CHF 80/Jahr). Vor jedem Franchise-Wechsel prüfen!

Franchise wechseln: Fristen und Stolperfallen

Du kannst die Franchise jedes Jahr neu wählen. Die wichtigsten Regeln [3]:

  1. Erhöhung der Franchise: Kündigung der aktuellen Franchise bei der Kasse bis 30. November, neue Franchise gilt ab 1. Januar.
  2. Senkung der Franchise (z. B. wegen Schwangerschaft): Gleiche Frist — bis 30. November mitteilen.
  3. Kassenwechsel mit neuer Franchise: Bis 30. November per Einschreiben kündigen, gleichzeitig bei der neuen Kasse mit Wunsch-Franchise anmelden. Unser Wechsel-Assistent erstellt dir den fertigen Brief.
  4. Mitte des Jahres wechseln: Geht nur bei Standardmodell mit Franchise CHF 300, mit Kündigung bis 31. März auf den 30. Juni.

Häufige Fehler

  • Zu spät kündigen: Massgebend ist der Eingang bei der Kasse, nicht der Poststempel. Sende spätestens am 25. November per Einschreiben.
  • Franchise senken nach Diagnose: Wer im Juli erfährt, dass er ab Herbst eine teure Therapie braucht, kann erst per 1. Januar auf CHF 300 wechseln — und muss bis dahin die volle Last tragen. Plane vorausschauend.
  • Wechsel mitten in laufender Behandlung: Bei einem Kassenwechsel beginnt die Franchise bei der neuen Kasse wieder bei null. Wer im November noch eine grosse Rechnung erwartet, sollte den Wechsel im aktuellen Jahr abschliessen.

Franchise und Prämienverbilligung

Wer kantonale Prämienverbilligung bezieht, sollte besonders genau rechnen: Die Verbilligung mindert deine Netto-Prämie, aber die Franchise zahlst du im Krankheitsfall trotzdem voll. Bei tiefem Einkommen ist deshalb CHF 300 fast immer die sichere Wahl — der "Spar-Hebel" einer höheren Franchise wird durch die ohnehin reduzierte Prämie kleiner.

Fazit: Die Franchise ist eine bewusste Wette

Es gibt keine "richtige" Franchise für alle. Es gibt aber eine richtige Franchise für dich — und die hängt nur von zwei Fragen ab: Wie hoch sind deine Gesundheitskosten in einem normalen Jahr? Und: Kannst du im Worst Case CHF 3'200 aus eigener Tasche zahlen, ohne dass es deine Lebensplanung umwirft?

Wenn du beide Fragen klar beantworten kannst, ist die Entscheidung simpel. Wenn nicht — und das ist die Mehrheit — dann hilft dir der primakasse-Rechner. Er zeigt dir für deine PLZ, dein Alter und dein Modell exakt, ab welchem Punkt sich welche Franchise lohnt. Ohne Versicherungs-Jargon, ohne Werbung für eine bestimmte Kasse.

Und wenn du mehr zum gesamten Spar-Bild erfahren willst, ergänzt unser Guide zum Krankenkassenwechsel das Ganze um Modell, Kassenwahl und den Wechsel-Prozess. Drei Hebel, ein Ziel: weniger Prämie, gleiche Leistung.

➡️ Bereit für deinen persönlichen Franchise-Vergleich? Starte den primakasse-Rechner — PLZ und Jahrgang reichen, alle Franchise-Stufen werden dir nebeneinander angezeigt.


Quellen

  1. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Prämien der obligatorischen Krankenpflegeversicherung 2026. Stand September 2025. bag.admin.ch
  2. Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG), Art. 64: Kostenbeteiligung — Franchise und Selbstbehalt.
  3. Verordnung über die Krankenversicherung (KVV), Art. 94: Wahlfranchisen und Wechselfristen.

Häufige Fragen

Was ist die Franchise bei der Krankenkasse einfach erklärt?

Die Franchise ist der Betrag, den du jedes Jahr selbst zahlst, bevor die Krankenkasse einen Franken übernimmt. Sie liegt zwischen CHF 300 und CHF 2'500 (Erwachsene). Je höher du sie wählst, desto tiefer ist deine monatliche Prämie — aber desto mehr trägst du im Krankheitsfall selbst.

Lohnt sich die höchste Franchise von CHF 2'500?

Nur wenn deine jährlichen Gesundheitskosten unter rund CHF 1'700 bis 1'900 liegen. Bei chronischen Erkrankungen, Schwangerschaft, Therapien oder Dauermedikamenten fährst du mit CHF 300 fast immer günstiger — die höhere Prämie zahlt sich aus, weil die Kasse früher übernimmt.

Was ist der Unterschied zwischen Franchise und Selbstbehalt?

Die Franchise zahlst du zuerst und vollständig selbst. Danach kommt der Selbstbehalt: 10 % der Restkosten — gedeckelt bei CHF 700 pro Jahr für Erwachsene (CHF 350 für Kinder). Beides zusammen ist deine maximale Eigenbelastung pro Jahr.

Kann ich die Franchise jedes Jahr ändern?

Ja. Eine Erhöhung der Franchise ist jederzeit per Jahresende möglich, eine Senkung ebenfalls — Kündigung bei der Kasse bis 30. November, gültig per 1. Januar. Bei Wechsel des Modells (z. B. Standard ↔ Telmed) gelten dieselben Fristen.

Welche Franchise wählen für Kinder?

Kinder unter 19 wählen zwischen CHF 0, 100, 200, 300, 400, 500 oder 600. CHF 0 lohnt sich, wenn das Kind regelmässig zum Arzt geht (z. B. häufige Infekte, Asthma, Therapien). Sind die Kinder kerngesund, kann CHF 600 jährlich CHF 100 bis 200 sparen.

Was passiert mit der Franchise, wenn ich die Krankenkasse wechsle?

Sie wird zurückgesetzt. Hast du bei der alten Kasse im laufenden Jahr CHF 800 für Behandlungen bezahlt, zählt das bei der neuen Kasse ab 1. Januar nicht mehr — du beginnst wieder bei null. Plane den Wechsel deshalb idealerweise vor einer geplanten Behandlung, nicht danach.

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